Nachbericht zum Betriebsausschuss vom 14.3.2013

Inhalt:
– Energiekonzept Zentralkläranlage
– Resolution „Wasserversorgung“
– Kanalsanierung Nordstraße/Nordhagen
– Satzung „Bagatellgrenze Wegfall“

Heute fand eine Sitzung des Betriebsausschusses statt. Zentrales Thema war das Energiekonzept für die Zentralkläranlage. Ein Vertreter des Beauftragten Ingenieurbüros stellte das Konzept vor. Zudem wurde seitens der Verwaltung zur Entwicklung der Dichheitsprüfung die Aussage getroffen, dass bis zur Veröffentlichung der Durchführungsverordnung keine neuen Aktivitäten stattfinden werden. Sobald die Durchführungsverordnung in Kraft ist, wird es zunächst im Betriebsausschuss eine Auskunft zum Verfahren geben.

Zur Zentralkläranlage:
Der Vertreter des beauftragten Ingenieurbüros „john becker ingenieure“ stellte das Konzept vor: Es kam zu dem Schluss, dass an der Zentralkläranlage erhebliche Einsparpotenziale in Bezug auf Stromverbrauch zu heben seien. Es wurden Schwerpunkte genannt. Anhand einer Energiematrix, die sich am Handbuch „Energie in Kläranlagen“ (1999) orientiert, wurden Handlungsschwerpunkte aufgezeigt. Das Konzept selbst kostete knapp 10.000 €.

Sie können es hier herunterladen: LINK

Auf Nachfrage der FDP-Fraktion konnten einige Fragen hierzu geklärt werden:
–  Als Potenzial könne 20,59 % Ersparnis bezogen auf den ermittelten Richtwert einer sog. Modellkläranlage erreicht werden, im Idealfall bei Gesamtpotenzialhebung 38,46 % (ohne Rücksicht auf Kosten/Nutzen-Verhältnis).

– Bei einem Einkaufswert des Stromes in Höhe von 93.439 € (Jahr 2011 bei 0,177 € / kWh) sind somit 19.239 € / Jahr zum Richtwert bzw. 35.932 € / Jahr zum Idealwert als Potenziale aufzuweisen.

Daten zur Kläranlage:
Ausgelegt für 19.000 Einwohnerwerte [EW]
Derzeit sind 11.836 EW angeschlossen
Der Zulauf beträgt aktuell 10.478 EW (das ist der Einwohnerwert, der aus CSB, Nges und Pges ermittelt wird, Schmutzfracht)

Basis für die gesamte Rechnung ist der letztgenannte Wert. Nach Aussage des anwesenden Ingenieuer stellt die Betrachtung eine von der hydraulischen Menge nicht direkt abhängige Größe dar und sagt mehr über die Schmutzfracht/Klärbedarf aus.

Darauf bezogen sei auch der Auslastungsgrad von 55 %:
10.478 EW / 19.000 EW = 55,14 %
Allerdings ist für den Aufwand bezogen auf Förderung und Bewegung der hydraulischen Menge schon gegeben (Pumpleistung etc).

Die FDP-Fraktion stellte die Fragen bezogen auf die Auswirkung von a) Umstellung auf Trennsystem und b) die möglichen Folgen von Fremdwasservermeidung (Sanierungskonzept) und c) demographischer Wandel (=sinkende EW) auf die Kläranlage und der Auslastung.

Die Aussage des Ingenieur war, dass sich dabei die Kläranlage weiterhin in betriebsfähigem Zustand befinde, die Schmutzkonzentration etwas höher würde. Die Probleme lägen dann eher in der Periphere, dass heißt im Kanalsystem wo es zu Spülungen kommen müsse, sofern die Schmutzfracht durch die geringere hydraulische Menge nicht mehr transportiert wird (Auslegung Kanalnetz auf große Wassermengen).

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Stromkosten zu den aktuellen Gebühren (0,177 € / kWh) durch Optimierungen vor allem bei der Belüftung der Nitrifikationsbecken, im Bereich Rücklaufschlamm/Rezirkulation, Schneckenpumpwerk und Sandfang zu Einsparungen führen können , realistisch etwa 20.000 € / Jahr. Die Investionskosten müssen auch im Sinne der Abschreibungszeiträume (i.d.R. ca. 12-15 Jahre) der Anlage betrachtet werden.

Eine signifakte Auswirkung bezogen auf Fremdwasser/Mischkanalregenanteileintrag kann im Bereich Stromkosten auf ein erträgliches Maß eingegrenzt werden. Diese Aussage ist im Zusammenhang zum Fremdwassersanierungskonzept an dieser Stelle festzustellen (Verhältnismäßigkeit): Der Sanierungsaufwand ist um ein Vielfaches höher, als die folgende Stromeinsparung in der Kläranlage. Max. sind 35.932 € / Jahr oder 3,42 € / (Jahr und EW) technisch jetzt erzielbar. Auf 25 Jahre sind das ca. 900.000 €. Es verbleiben also 57.507 € / Jahr Stromkosten. Unterstellt man 50 % Fremdwasseranteil, den man dann im Idealfalle auf 0 reduziert, so ist selbst bei einer Halbierung der Stromkosten lediglich mit 28.754 € / Jahr Ersparnis im Strombereich zu rechnen (ohne Optimierung 46.720 € / Jahr). Zumindest was die Stromkostenreduzierung angeht, ist deutlich festzuhalten, dass die Umsetzung des Fremdwasserkonzepts (zweistellige Millionenbetrag) unverhältnismäßig wäre.

Die Verwaltung möchte zur nächsten Sitzung eine Prioritätenliste zum Austausch möglicher Anlagenteile / Motoren etc. vorlegen, wo eine kurzfristig zu erzielende Rentabilität zu erzielen ist. An Hand dessen soll dann entschieden werden, wie wirtschaftlich ein Beitrag zur Senkung der Stromkosten erreicht werden kann. Im Verhältnis zur Totalsanierung der Kanalisation ein sinnvoller Schritt.

Zur Resolution:
Die Resolution bzgl Privatisierung kommunaler Wasserersorgung wurde wie angekündigt unter dem genannten Text verabschiedet (einstimmig). Die FDP-Fraktion merkte jedoch an, dass die Gemeinde Extertal nicht von der möglichen Auswirkung betroffen ist. Ein wesentlicher Punkt, der deutlich gesagt werden muss aus unserer Sicht!

Zudem wiesen wir auf die unterschiedliche Sichtweisen und Interessenslagen hin. Grundsätzlich ist die Zielrichtung der EU-Richtlinie nicht, dass kommunale Wasserversorgungen nun privatisiert werden, sondern im Falle einer Veräußerung durch Kommunen eine europaweite Ausschreibung notwendig wird. Die Entscheidung zur möglichen Veräußerung steht immer noch im Entscheidungsraum der Kommunen. Die Richtlinie soll vielmehr ein Beitrag zur Transparenz und Korruptionsvermeidung sein.

Lesen Sie HIER einen interessanten Beitrag in „Die Zeit“ von Ende Februar

Als FDP-Fraktion haben wir die Resolution dennoch vorbehaltlich mitgetragen, auch wenn sie uns nicht betrifft. Die Wirkung dieser Resolution ist jedoch begrenzt. Aus unserer Sicht besteht zudem keine Notwendigkeit, die Wasserversorgung im Extertal zu privatisieren.

Zur Nordstraße:
Hier gab es seitens der Verwaltung interessante Neuigkeiten. Die Kanäle in Nordstraße und Nordhagen sollen saniert und durch ein Trennsystem ersetzt werden. Die Hausanschlüsse müssen nach Ansicht der Verwaltung erneuert werden. Die eigentliche Neuigkeit ist dabei, dass im Wasserschutzgebiet nun ein Fremdwasserfeinkonzept erstellt werden soll, auf dessen Grundlage eine Satzung zur vorgezogenen Dichtheitsprüfung beschlossen werden soll. Auf FDP-Nachfrage erklärte die Verwaltung, dass tatsächlich es dann noch vor dem 31.12.2015 es zu Dichtheitsprüfungen kommen könnte, um den Bewohner eine 30 %- Förderung zukommen zu lassen. Bedeutet auch, dass nach erfolgter Dichtheitsprüfung max. 2 Jahre später die Sanierung erfolgen muss. Fazit: Wie die FDP-Fraktion mehrfach festgestellt hat, werden durch die Städtebausanierungsmaßnahmen und Dichtheitsprüfung die Nordstraßen-Anwohner massiv belastet:

– KAG-Beitrag Straße
– Trennsystem auch bei Privaten
– Dichtheitsprüfung (mglw. vorgezogen)
– mögliche Kanalsanierungskosten

Die Satzung soll vorerst nur für die Nordstraße/Nordhagen beschlossen werden.

Zur Satzungsänderung – Bagatellgrenze:
Nach Aussage der Verwaltung ist das durch ein Gerichtsurteil notwendig geworden. Die bisherige Version sei nicht mehr rechtssicher, die Bagatellgrenze somit aus der Satzung zu nehmen. Nun muss in jedem Fall die Menge Wasser, die nicht wieder in die Kanalisation eingeführt wird, durch Zähler oder andere Verfahren genau nachgewiesen werden. Eine Pauschalveranlagung ist nicht mehr möglich. Als Vorlage wurde ein Muster der Städte- und Gemeindebundes eingearbeitet und so heute beschlossen.

(CS)

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